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Staloton NW Bünde 140813

Zweitägiges Museumsfest mit vielen Mitmachaktionen / Ausstellung "Akte Doberg" eröffnet

VON KARL-HENDRIK TITTEL
Hat den Durchblick
FOTO: KARL-HENDRIK TITTEL
Bünde. Es sieht aus wie harte Arbeit, aber das vergnügte Gekicher lässt auf etwas anderes schließen. Um die Wette schmettern Lea, Leonie und Julia die schweren Hämmer auf die großen Tonblöcke. Wie Stücke hauchzarter Zartbitterschokolade zersplittert das 165 Millionen Jahre alte Material – und gibt eine prähistorische Überraschung frei. "So macht das mit der Geschichte Spaß", sagt die fünfjährige Leonie und betrachtet ihren Fund durch die riesigen Schutzgläser.

Dass moderne Museen keinesfalls miefige Orte langweilig konservierter Geschichte sind, erlebten die Besucher des Bünder Museumsfestes gleich an zwei Tagen. Und die waren auch nötig, bedenkt man die verschiedenen Anlässe zum Feiern: Die Gründung des Dobergmuseums vor 75 Jahren und gleichzeitig seine Wiedereröffnung nach umfangreichen Sanierungsarbeiten im vergangenen Dezember, die Entdeckung der berühmten Seekuh vor 100 Jahren sowie die Eröffnung der Ausstellung "Akte Doberg" und die Einweihung der Cigarrenlounge an diesem Wochenende.

Bürgermeister Wolfgang Koch brachte es in seiner Ansprache auf den Punkt: "Die Museumsinsel Bünde hat sich in den vergangenen Monaten wieder zu einem attraktiven Mittelpunkt im touristischen und kulturellen Angebot der Stadt entwickelt." Livemusik, Fossiliensuche und -präparation, Mitmachzirkus, der Löwenzahn-Bauwagen und weiteres mehr machten das Museumsfest zu einer kurzweiligen Angelegenheit.


Und zu einer lehrreichen. "Das Finden ist die eine Sache, das Präparieren eine andere", sagt Wolfgang Herzog vom Paläontologischen Arbeitskreis Bünde. Mit dem Fräser müsse das Fossil von Steinresten befreit und danach mit Chemikalien behandelt werden. "Schrankfertig machen", nennt das der Experte. "Wenn man da zuguckt, wird der Forscherdrang geweckt", sagt die elfjährige Julia.

Für die "Akte Doberg" gab es Lob von allen Seiten. "Toll, dass dem Doberg eine Ausstellung gewidmet wird, die verschiedene Aspekte berücksichtigt", sagt Gisela Schürstedt. "Viele wissen gar nicht, was für einen Schatz wir vor der Haustür haben", ergänzt Edith Deppermann.

"Ich bin positiv überrascht, dass trotz des teils schlechten Wetters so viele hierherkamen", sagt Museumsleiter Michael Strauß. Besonders der Sonntag war gut besucht. "Insgesamt waren es deutlich über 3.500 Besucher", schätzt Strauß.

Quelle: nw-news.de
Übernächste Wechselausstellung zeigt die künstliche Nachahmung der Natur

VON GERALD DUNKEL
Bünde. Das Museum Bünde bekommt eine neue Gebührensatzung. Das beschloss am Montagabend der Ausschuss für Wirtschaftsförderung. Auch die Innengestaltung war auf Antrag der Grünen Thema. Museumsleiter Michael Strauß gab darüber hinaus einen Ausblick auf das, was bis 2013 kommen soll. Auch hierfür hatten die Grünen Verbesserungsvorschläge, was die Vorlaufzeit für Ausstellungen angeht.

Nach den jahrelangen und umfangreichen Renovierungsarbeiten am und im Dobergmuseum schlug die Sonderausstellung "Insekten – zwischen Faszination und Phobie" mit mehr als 12.000 Besuchern (Kinder unter sechs Jahren nicht mitgerechnet) richtig ein. Museumsleiter Michael Strauß warnte aber vor zu viel Euphorie. Er glaube, dass viele nur gekommen seien, um das Dobergmuseum nach der Renovierung zu sehen. Insofern solle nicht erwartet werden, dass nun jede Ausstellung diese Besucherzahlen bringen werde.

Die Eintrittspreise werden nach der neuen Satzung überwiegend verdoppelt, lägen aber noch unter denen vergleichbarer Museen. Ein Erwachsener zahlt künftig 4 Euro (vorher 2 Euro), Kinder von 6 bis 17 Jahren zahlen 2 Euro (vorher Kinder von 6 bis 12 Jahren 1 Euro), die Familienkarte kostet künftig 8 Euro (4 Euro). Gruppen ab sechs Personen zahlen 3 Euro pro Person (1,50 Euro). Für die Insektenausstellung galten andere Preise, da der Leihgeber an den Eintrittsgeldern beteiligt war, dafür aber die Exponate günstiger zur Verfügung stellte.

Die UWG schlug vor, eine Jahreskarte anzubieten, um die Besucher mehr an das Museum zu binden. Dem entgegnete Michael Strauß, dass die Leihgeber der Wechselausstellung manchmal an den Eintrittsgeldern beteiligt seien. Es wäre nicht einfach, den Anteil der Besucher mit Jahreskarte da hineinzurechnen. Bürgermeister Wolfgang Koch fügte hinzu, dass diejenigen, die sich dem Museum verbunden fühlten, dem Förderverein beitreten könnten und so zum halben Preis ins Museum kämen.

Die Grünen beantragten für die Innenräume ein Farbleitsystem, das den Besucher führt. Ferner solle mehr Interaktion gefördert und die Mitarbeiter dahingehend geschult werden, dass sie bei Führungen ihre Begeisterung an die Besucher weitergeben. Als Beispiel gab Uwe Marquardt von den Grünen das Naturkundemuseum in Bielefeld an. Darüber hinaus sollen, wie in Bielefeld, Ausstellungen schon beworben werden, die im nächsten oder gar übernächsten Jahr kommen.

Zur Farbgestaltung sagte Strauß, dass die aufgrund der Rechte des Architekten nicht so leicht umzusetzen sei. "Interaktion haben wir zum Teil schon", so Strauß. Gerade für Schulklassen gebe es Kreuzworträtsel und für die jüngeren Besucher Schatzsuchen. Zur langfristigen Bewerbung von Ausstellungen ließ Strauß wissen, dass die Planungen im Dobergmuseum, anders als beim Naturkundemuseum in Bielefeld, von den Haushaltsgenehmigungen in der Stadt abhängig sind. Man könne Ausstellungen zeitlich nur soweit vorplanen, wie eine Entscheidung über den Haushalt gefallen sei. Nach der "Akte Doberg" werde als nächste Wechselausstellung zum Ende des Jahres Bionik, also die künstliche Nachahmung der Natur, Thema sein.

Quelle: nw-news.de
Bünder Schau zwischen Faszination und Phobie

VON DIETER SCHNASE
 
altDas sechs Meter lange Wespenmodell wurde gestern auf Rollen ins Museum befördert.Rieseninsekt

FOTO: Gerald Dunkel / www.gerald-dunkel.com

 
Bünde. Sie faszinieren uns, können – obwohl nur wenige Zentimeter groß – aber auch Angst und Schrecken hervorrufen: Insekten. Um die Welt der sechsbeinigen Krabbler mit ihrer unvorstellbaren Vielfalt an bizarren Erscheinungsformen geht es in der Ausstellung "Insekten. . .zwischen Faszination und Phobie", die zur Wiedereröffnung des Bünder Dobergmuseums ab 22. Dezember gezeigt wird.


Wem schon Vertreter dieser Gattung in Originalgröße Angst machen, der dürfte beim Anblick der Modelle, die im Ausstellungsraum des Dobergmuseums zu sehen sein werden, eine gehörige Gänsehaut bekommen. So hat die Wespe, die gestern mit einem Lkw zum Museum transportiert wurde, die stattliche Länge von sechs Metern. Etwas kleiner, aber nicht minder beeindruckend, der Mistkäfer, den die Firma Wolter Design aus Lockum originalgetreu nachgebildet hat. Das Unternehmen ist auch bekannt durch die Dinosaurier-Modelle in Münchehagen. Die Dinos waren allerdings schon in Originalgröße überwältigend.

Detailgetreu auch die Insekten, die für die Modellation erst einmal vergrößert werden mussten – mehr oder weniger. "Zwischen einem Menschenfloh und einer Gottesanbeterin gibt es schon erhebliche Größenunterschiede", sagt Michael Strauß, Leiter des Museums, der gestern mit Museumstechniker Ulrich Franzrahe die Anlieferung der aus glasfaserverstärktem Kunststoff bestehenden Rieseninsekten begleitete. Imposant auch der Ohrenkriecher in einem der Räume. Die überdimensionale Zecke und die Assel müssen hingegen draußen bleiben, weil sie nicht zur Familie der Insekten gehören, vielmehr zu den Spinnentieren und Panzerkrebsen.

Die Wechselausstellung, die bis zum 18. März 2012 auf rund 300 Quadratmetern im sanierten Dobergmuseum gezeigt wird, ist nach Worten von Michael Strauß weltweit einzigartig. Die Modelle, für die in den nächsten Wochen noch die passende Umwelt geschaffen werden soll, sind nur ein Teil davon. Mit Bildern auf den Außenscheiben sollen die Besucher angelockt werden. "Die Motive werden an die Vegetation erinnern", so der Museumsleiter, der wieder selbst zu Farbe und Pinsel greift. Und in der Fußgängerzone will das Museum mit einer riesigen Laus auf die Ausstellung aufmerksam machen.

Neben den Modellen werden fossile Libellen gezeigt, die das Landesmuseum in Münster zur Verfügung stellt. "Von einigen Arten gibt es weltwelt nur noch ganz wenige Exemplare. Deshalb bekommen wir sie erst kurz vor Ausstellungseröffnung", erläutert Ulrich Franzrahe. Aber auch lebende Insekten gehören zu der naturkundlichen Ausstellung. "Die Besucher begeben sich ins Reich der Krabbler, indem sie zu Däumlingen schrumpfen, um zu den riesigen Insektenmodellen aufzuschauen. Zwischendurch wachsen sie auf ihre natürliche Größe, wenn sie lebenden Schaben sowie Stab- und Gespensterheuschrecken in die Augen schauen", heißt es im Ausstellungs-Flyer. "Wir wollen unter anderem Schabenrennen veranstalten", macht Michael Strauß schon neugierig. Und eine Temperaturorgel zeigt, bei welchen Temperaturen bestimmte Insekten leben.

"Wir brauchen die Insekten, um leben zu können. Sie aber kamen fast 400 Millionen Jahre ohne uns aus", so Strauß.

Quelle: nw-news.de

Eröffnung findet am Donnerstag, 22. Dezember, statt / Lebende Insekten werden auch ausgestellt

VON ANNE WEBLER
Glatter Panzer | FOTO: AW
Bünde. Die überlebensgroßen Modelle von Heuschrecke, Blattwanze, Gottesanbeterin & Co. stehen bereit, fehlen nur noch die Besucher. Nächste Woche, am Donnerstag, 22. Dezember, eröffnet das Dobergmuseum wieder. Zu sehen gibt es dann neben der Sonderausstellung "Insekten - zwischen Faszination und Phobie" auch lebendige Ausstellungsstücke.

Pit ist ein ruhiger Genosse. Er ist eine etwa sechs Zentimeter große madagassische Fauchschabe und zieht bald ins Dobergmuseum ein. Allerdings nicht in irgendeine Spalte, sondern in ein Terrarium. Im Moment wohnt er noch zu Hause bei Heike Fischer vom Naturkundemuseum Dortmund. Fischer führte Pit gestern vor und nahm ihn auf die Hand. Pit bewegte sich nur langsam, ihm gefiel es offenbar gut auf Fischers Arm. "Er mag die Wärme", sagte sie. Draußen würde er im Moment nicht überleben.

Neben Pit und den anderen Fauchschaben werden auch lebende Heimchen (Grillen), Stab- und Gespenstschrecken sowie Rosenkäfer in die Terrarien des Dobergmuseums einziehen. "Die Schaben leben schon sehr, sehr lange auf unserem Planeten", sagt Fischer. Ein Teil der Ausstellung wird mit Hilfe von Fossilien und in Bernstein eingeschlossenen Insekten zeigen, wie sie entstanden sind. Ein weiterer Teil stellt das menschliche Skelett dem eines Insekten gegenüber und zeigt, dass diese Tiere ein Außenskelett haben. Es schützt sie wie den Mensch eine Ritterrüstung, die es auch zu sehen gibt.

Die nächste Station zeigt, wie sich Insekten häuten und tarnen durch Täuschung: Die Stabschrecken sehen aus wie Stöckchen, die Gespenstschrecken wie vertrocknete Blätter. Weil der Panzer der Schaben nicht mit wächst, häuten sie sich, um zu wachsen.

Schaben gehören auch zur nächsten Station: Insekten, die eng mit dem Menschen leben. Flöhe, Wanzen, Schaben. Wobei Fauchschaben wie Pit nichts in die Küche zieht, sie leben im Wald und ernähren sich vegetarisch.

Mehr als zwei Jahre war das Dobergmuseum geschlossen. Nachdem es aufgrund erheblicher Baumängel reinregnete, musste es saniert werden. 1,2 Millionen Euro hat das gekostet. 300 Quadratmeter ist die Ausstellungsfläche groß, daneben ein 70 Quadratmeter großer Raum für die Museumspädagogik. Neu ist auch der gläserne Verbindungsgang zwischen Tabak- und Dobergmuseum.

Zu sehen ist auch ein großes Insektenhotel des NABU. Sonntags können Besucher ihr eigenes Insektenhotel für den Garten bauen. Wer dafür keinen Platz hat, kann den Schaben beim Schabenrennen zugucken.

Pit lässt das bislang noch kalt. Er sitzt auf Heike Fischers Hand und streckt seine Fühler in alle Richtungen. Sein Panzer fühlt sich glatt an - wie eine Rüstung.

Am 22. Dezember ist das Museum ab 14 Uhr geöffnet, um 17.30 Uhr gibt es einen Empfang. Im Mai findet dann ein großes Museumsfest statt, wenn das Museum 75. Geburtstag feiert.

Quelle: nw-news.de

Museum will Zusammenarbeit mit „Terra Vita“ ausbauen / Doberg ist interessant fürs europäische Geopark-Netzwerk

Bünde. Der Doberg ist ein Biotop und ein weltweit einzigartiges Bodendenkmal. Agrarbiologin Hannelore Frick-Pohl und Geologe Michael Strauß führten am Sonntag Besucher durch das Naturschutzgebiet. Es war die erste gemeinsame Veranstaltung der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Herford und des Dobergmuseums mit „Terra Vita“, dem Naturpark rund ums Wiehengebirge und Teutoburger Wald.

Die steilen, gut besonnten, trockenen Hänge im Doberg sind vom sogenannten Trockenrasen bewachsen. Sie bilden die Nahrungsgrundlage für 85 Bienen- und Wespenarten, von denen mehrere ihre Brutröhren im Doberg-Mergel bauen, sowie von vielen anderen Insekten und Spinnenarten. Das seit 1980 gesetzlich geschützte Biotop wird jedoch immer wieder zum Beispiel durch Mountainbike-Fahrer und Spaziergänger, die abseits der offiziellen Wege das Terrain erkunden, beschädigt. „Es ist leider sehr schwierig die Verbote durchzusetzen, weil viele Bünder noch aus ihrer Kindheit den Doberg als Spielplatz kennen“, sagt Hannelore Frick-Pohl von der Unteren Landschaftsbehörde.

Auch aus geologischer Sicht sind rücksichtslose und unbedachte Besucher problematisch. „Das Graben oder Suchen nach Fossilien ist hier streng verboten“, betont Museumsleiter Michael Strauß. Außerdem sei dies sehr gefährlich, weil abseits der offiziellen Wege Steine und Felsbrocken von den Steilhängen abbrechen könnten. Die etwa 30 Millionen Jahre alten Gesteinsschichten sind von internationaler wissenschaftlicher Bedeutung, denn die fossilreichen Gesteine erzählen viel über die damalige Zeit. In der Geologie gilt der Doberg weltweit als eines der wichtigsten Orte für einen Zeitabschnitt, den die Wissenschaftler als Oligozän bezeichnen.

So ein besonderes Bodendenkmal ist nicht nur für einheimische Besucher interessant, sondern auch für fachlich interessierte Touristen. Deshalb gibt es zwischen dem Bünder Dobergmuseum und dem Natur- und Geopark „Terra Vita“ eine bislang noch lockere Zusammenarbeit, die intensiviert werden soll. Der Geopark umfasst die Mittelgebirgszüge des Teutoburger Waldes und des Wiehengebirges und gehört zum Geopark-Netzwerk der Unesco. Für „Terra Vita“ könnte der Doberg eine fachliche Ergänzung darstellen. Eine engere Zusammenarbeit wäre auch für Bünde interessant. „Für uns ist diese erste offizielle Kooperationsveranstaltung mit Terra Vita ein wichtiger Schritt, denn dadurch rücken wir mit der Einzigartigkeit des Dobergs näher heran an das europäische Geopark-Netzwerk“, sagt Michael Strauß.

dobergweb2

Michael Strauß (2.v.r.) und Hannelore Frick-Pohl (rechts) erklären bei einer Dobergführung geologische und biologische Besonderheiten