Vogelfänger, Venntüten und Plaggenstecher

Ausstellung im Museum Bünde vom 10.12.2017 bis zum 4.2.2018

Mit einer riesigen Plattenkamera zog der Naturschützer und Philosoph Hermann Reichling vor rund 100 Jahren los in die westfälischen Naturlandschaften. Er hielt das, was er sah, was ihn faszinierte in Fotografien fest. Fast 90 der eindrucksvollen Werke und einige später entstandene Filme präsentiert das Museum Bünde ab dem 10. Dezember in der neuen Ausstellung „Vogelfänger, Venntüten und Plaggenstecher“.
„Das Besondere an der neuen Ausstellung ist, dass Reichling Kulturlandschaften festgehalten hat“, sagt Museumsleiter Michael Strauß. „Also Natur, die so nur durch den Einfluss und die Nutzung des Menschen entstehen konnte.“ Trotzdem sei sie unwiederbringlich verloren und die Fotografien deshalb ein besonderer Schatz.
Hermann Reichling, der Ornithologie und Philosophie an der Universität Münster studierte, gilt heute als erster bedeutender Naturfotograf Nordwestdeutschlands. Schon damals beobachtete er, wie sehr der Mensch in die Natur eingriff und die Landschaften veränderte. Mit seinen Fotografien dokumentierte Reichling die damit verbundenen Gefahren und begann sich unermüdlich für die Erhaltung der Ursprünglichkeit der Region einzusetzen. Dabei hielt er mit seiner Plattenkamera Tiere, Bäume, einzigartige Pflanzen und Landschaftstypen fest. 1919 wurde Reichling Direktor des heutigen Museums für Naturkunde des Landschaftsverband Westfalen Lippe (LWL) und 1926 Geschäftsführer des neu gegründeten Westfälischen Provinzialkomitees für Naturdenkmalpflege.
Das Naturkundemuseum hat einen einmaligen Schatz an Glasplattennegativen von Hermann Reichling. Weitere befinden sich im Privatbesitz der Familie Reichling. „Der Westfälische Naturwissenschaftliche Verein und der Westfälische Heimatbund haben die Digitalisierung der Glasplattennegative angeregt“, so Strauß. „Die NRW-Stiftung hat das Projekt dann gefördert.“

Weitere Informationen auf der Internetseite der Stadt Bünde.

 

 

"Unter Bäumen - der Wald und der Mensch"

 

   Ausstellung im Museum Bünde vom 01.07.2017 bis zum 12.11.2017 - in Kernbereichen verlängert bis Ende Januar 2018

 

Wald ist Lebensraum! Unser Lebensraum. Zwar haben die Menschen sich aus dem Schutz der Wälder zurückgezogen und leben überwiegen in Städten. Dennoch sind unsere Wälder für unser Überleben unverzichtbar:

Wälder speichern und reinigen Wasser und sind so für unsere Trinkwassergewinnung unersetzlich. Wälder filtern schädliche Stoffe aus der Luft, verbrauchen das Treibhausgas Kohlendioxid, produzieren Sauerstoff, gleichen tägliche und jährliche Temperaturschwankungen aus und verhindern die Bodenerosion, um nur wenige für uns Menschen wichtige Funktionen des Waldes zu nennen.

Besonders wegen der Fähigkeit Sauerstoff zu produzieren, werden die Wälder auch als die grüne Lunge der Erde bezeichnet. Insgesamt trägt das Ökosystem Wald entscheidend zum Gleichgewicht in der Natur bei, von dem auch wir letztendlich abhängig sind. Sicherlich könnte man sagen: „Gäbe es plötzlich auf unserem Planeten keinen Wald mehr, würde die Menschheit trotz aller technischen Errungenschaften ernsthaft in Gefahr geraten, auszusterben.

Dabei gibt es in Deutschland, genau wie in fast allen Teilen Mitteleuropas keinen echten Urwald mehr.

 Doch selbst die gezähmten Wälder vor unserer Haustür sind voll von Geheimnissen und unglaublichen Phänomenen:

da gibt es ganz junge Bäume, die über Wurzelverbindungen von den Altbäumen mit Nährstoffen versorgt werden, ganz so wie eine Mutter ihr Kind stillt.

Bäume können miteinander reden. Nicht nur über Duftstoffe, die sie aussenden, sondern vor allem durch ein unterirdisches Pilzgeflecht, über das alle Bäume eines Waldes miteinander verbunden sind. Dieses Netz ist fast genau so effektiv wie unser Internet. Wird zum Beispiel ein Baum am Waldrand von Schädlingen angegriffen, so wissen es bald alle Bäume der Nachbarschaft und haben so Gelegenheit, Abwehrstoffe gegen Schädlinge in ihrem Holz einzulagern, was sich zweifelsfrei nachweisen lässt. Das Pilzgeflecht leistet diese Nachrichtenübermittlung aber nicht ohne Bezahlung. Die Bäume bezahlen den Pilz mit Zucker, der nur in den grünen Teilen der Pflanze mit Hilfe des Sonnenlichtes gebildet werden kann.

Auch gibt es Bäume, die auf Leben und Tod miteinander kämpfen. Ein jahrein und jahraus andauernder Ringkampf in extremer Zeitlupe, der schließlich damit endet, dass der unterlegene Baum vom Sieger überragt und so überschattet wird, dass ihm buchstäblich das Licht ausgeht und er stirbt.

Auf dem Boden des Waldes gedeihen krautartige Pflanzen, die ihre ganze Kraft in Wurzelzwiebeln speichern, um im Ausklang des Winters mit den ersten wärmeren Tagen unzählige Blüten auszutreiben. Dass muss schnell geschehen, da bald das sich neu bildende Laub der Bäume den Krautpflanzen den Zugang zur Sonne versperrt.

Über diese und andere geheimnisvolle Phänomene berichtet die Ausstellung „Unter „Bäumen. Es werden aber auch ganz unmittelbare Informationen geboten, zum Beispiel, welche Bäume in den Wäldern vor unserer Haustür vorkommen.